Es war September 2025, wir waren campen in Italien und mir wurde bewusst, dass meine Schmerzen in der rechten Schulter, die ich die ich die letzten Wochen immer wieder einmal wahrgenommen habe, nicht mehr weg gehen. Und auf einmal tat das Schlafen auf der rechten Seite (meine Lieblingsstellung) einfach nicht mehr ging.
Jeden Nacht bin ich seit dem mehr als einmal mit Schulterschmerzen aufgewacht. Morgens fühlt sich die Schulter verspannt und irgendwie blockiert an. Ich habe es dann eine zeitlang versucht „wegzutrainieren“, das hat aber zu nichts geführt – es wurde weder besser noch schlechter.
Zunehmend habe ich festgestellt, dass bestimmte Bewegungen Schmerzen verursacht haben – so sehr, dass manche Bewegungen nicht mehr möglich waren.
Inhalt
Welche Schulterschmerzen waren (und sind es)
- Am auffälligsten (und störendsten) waren am Anfang die Schmerzen in der Nacht, wenn ich auf der Seite lag und die bis in den Ellenbogen ziehen. Meistens bin ich mehrmals in der Nacht durch ein Stechen und Ziehen in der Schulter aufgewacht, dass auch nach einem Stellungswechsel noch circa 1 Minute anhielt.
- Wenn ich meinen Shaker in der rechten Hand schütteln wollte, verursachte dies ziehende Schmerzen quer durch die ganze Schulter. Diese Schüttelbewegung gibt einem das Gefühl von Instabilität.
- Den Arm in die Hüfte stemmen schmerzt hinten in der Schulter, hier fühlte es sich an, als ob etwas verklemmt. Ich bekam auch die Schulter nicht richtig hochgehoben.
- Beim Versuch, ein Hemd hinten in die Hose zu stecken verklemmte sich hinten etwas und es zog schmerzhaft vorne.
- Den Arm hinter dem Rücken nach oben zu führen (wenn man sich beispielsweise kratzen will stach innen im Gelenk und zog vorne in der Brust.
- Den Arm oben herum, hinter dem Kopf nach unten zu führen schmerzte vorne im Gelenk.
- Etwas oben aus dem Schrank zu holen schmerzte vorne im Gelenk.
- Den Kofferraumdeckel kraftvoll nach unten zu ziehen schmerzte vorne im Gelenk.
- Vor dem Körper zur linken Schulter und darum herum greifen stach hinten im Gelenk
- Bei der Außenrotation stach es hinten im Gelenk und der Schmerz hielt dann auch kurz an
- Ganz schlimm schmerzte es (quer durch die ganze Schulter), wenn ich mich beim Ausrutschen nach hinten abstützen musste
- Und manchmal tat es einfach so weh, ohne auslösende Bewegung …
- Generell war die Beweglichkeit recht eingeschränkt, zunächst durch die Schmerzen
Es ging nicht mehr ohne ärztlichen Rat
Im November 2025 war es dann so weit, dass ich mich meinem Orthopäden anvertraut habe und dieser hat mich direkt ins MRT überwiesen.
Die Diagnose(n) haben mich erst mal umgehauen:
- Tendinosis calcarea der Rotatorenmanschette mit Kalkdepots in:
- Supraspinatussehne
- Infraspinatussehne
- Subscapularissehne
- Geringgradige Bizepssehnen-Tendovaginitis (Entzündung der Sehnenscheide der langen Bizepssehne)
- Verdacht auf leichte Capsulitis adhäsiva (Frozen Shoulder)
- Hakenförmiges Akromion (Typ III) mit möglichem subakromialem Impingement
- Mäßiggradige, gering aktivierte AC-Gelenksarthrose
Das klang erst mal nach viel und war wohl auch so. Keine Einzeldiagnose, sondern ein Konglomerat verschiedenster Befunde.
Was steckt hinter den Diagnosen
1. Tendinosis calcarea der Rotatorenmanschette (Kalkschulter)
In drei von vier Rotatorenmanschetten-Sehnen haben sich Kalkablagerungen gebildet:
Supraspinatussehne
Die Supraspinatussehne startet die seitliche Anhebung des Arms (Abduktion), insbesondere die ersten etwa 15 Grad der Bewegung. Außerdem hält sie den Oberarmkopf zentriert in der Gelenkpfanne, damit die Schulter beim Heben des Arms stabil bleibt.

Infraspinatussehne
Die Infraspinatussehne dreht den Oberarm nach außen (Außenrotation), beispielsweise wenn man den Ellenbogen am Körper hält und die Hand nach außen bewegt. Zusätzlich stabilisiert sie das Schultergelenk von hinten und verhindert, dass der Oberarmkopf bei Belastung verrutscht.

Subscapularissehne
Die Subscapularissehne dreht den Oberarm nach innen (Innenrotation), etwa wenn man die Hand auf den Bauch legt oder einen Gürtel schließt. Sie ist der größte und kräftigste Muskel der Rotatorenmanschette und stabilisiert den Oberarmkopf vor allem an der Vorderseite des Schultergelenks.

Zusammenspiel aller drei
Man kann sie sich wie drei Zugseile vorstellen, die den Oberarmkopf permanent in der Gelenkpfanne halten:
- Supraspinatus: hebt den Arm an.
- Infraspinatus: dreht den Arm nach außen.
- Subscapularis: dreht den Arm nach innen.
Bei mir sind ausgerechnet die Sehnen dieser drei wichtigen Stabilisatoren von Kalkablagerungen betroffen, weshalb die Schulter sowohl bei Kraftbewegungen als auch bei alltäglichen Bewegungen gereizt reagieren kann.
Was bedeutet das im Detail? Die Sehnen werden:
- dicker
- steifer
- empfindlicher
- leichter entzündbar
Typische Schmerzen (bei mir)
- Arm seitlich anheben
- Jacke anziehen
- Gegenstände über Schulterhöhe greifen
- nachts auf der Schulter liegen
Besonderheit bei mir
Anscheinend haben viele Menschen Kalk nur in einer Sehne. Ich habe Kalk in drei wichtigen Sehnen gleichzeitig. Dadurch ist praktisch die gesamte Rotatorenmanschette betroffen.
Glückwunsch.
2. Bizepssehnen-Tendovaginitis
Die lange Bizepssehne läuft vorne durch eine knöcherne Rinne. Normalerweise gleitet sie wie ein Seil in einer Führung. Bei mir ist die Sehnenscheide leicht gereizt.

Typische Beschwerden (typischerweise vorne an der Schulter) dabei sind:
- Arm nach vorne strecken
- etwas wegschieben
- Tasche tragen
- hinter den Rücken greifen
3. Verdacht auf leichte Frozen Shoulder
Die Gelenkkapsel wird hierbei:
- dicker
- entzündet
- unelastisch

Typische Symptome:
- Schulter wird zunehmend unbeweglich
- Außenrotation wird schlechter
- Hinter-den-Rücken-Greifen wird schwierig
- Anziehen wird mühsam
4. Hakenförmiges Akromion (Typ III)
Das Akromion bildet das Schulterdach. Unter diesem Dach laufen:
- Supraspinatussehne
- Schleimbeutel
- Teile der Rotatorenmanschette

Der Haken nimmt Platz weg. Dadurch werden die ohnehin schon verdickten Kalksehnen leichter eingequetscht.
5. Subakromiales Impingement
Impingement bedeutet: Einklemmung. Wenn man den Arm hebt:
- Kalksehnen werden dicker
- der Platz unter dem Schulterdach wird enger
- die Sehnen werden gequetscht

Typische Schmerzen hierbei sind:
- Arm zwischen 60° und 120° anheben
- Gegenstand ins Regal stellen
- Kofferraum schließen
6. AC-Gelenksarthrose
Das AC-Gelenk verbindet Schlüsselbein und Schulterdach. Es ist ein kleines Gelenk oben auf der Schulter.

Typische Schmerzen
Direkt oben auf der Schulter:
- quer über den Körper greifen
- auf der Schulter liegen
- Rucksack tragen
Zusammenfassung in einem Satz
Meine Schulter leidet wahrscheinlich vor allem darunter, dass mehrere kalkverdickte Sehnen unter einem von Natur aus engen Schulterdach laufen, dadurch immer wieder gereizt werden und sich als Folge zusätzlich die Gelenkkapsel versteift hat.
Das erklärt auch, warum die Beschwerden trotz Physiotherapie schon seit vielen Monaten bestehen: Es handelt sich nicht um ein einzelnes Problem, sondern um mehrere sich gegenseitig verstärkende Veränderungen.
Die ersten Behandlungen
Erfreulicherweise ist mein Orthopäde genauso konservativ, was Behandlungen und das Thema Operationen anbelangt, wie ich selbst. Wir haben also zunächst folgenden Plan festgelegt:
- 3 * Hyaluron Spritze ins Gelenk
- 3 * Stoßwellenbehandlung
- Physiotherapie
- Weiter im Fitnessstudio mobilisieren
Die Spritzen ins Gelenk waren sehr unangenehm und typischerweise hat die Schulter danach auch erst einmal 1-2 Tage vermehrt geschmerzt, danach fühlte es sich geschmeidiger an (was auch Sinn der Spritzen ist), die Wirkung verklingt aber recht schnell.
Die Stoßwellentherapie war sehr schmerzhaft, hat ebenfalls ca. einen Tag nachgeklungen, aber ich hatte den Eindruck, dass es etwas besser wird dadurch.
Die Physiotherapie war in jeder Sitzung aufs Neue ein Durchleben des Schmerzes in verschiedenen Varianten, aber auch hier hat sich im Laufe der Zeit eine Verbesserung gezeigt.
Im Fitnessstudio habe ich nach und nach immer wieder meine Routine angepasst, nach Rücksprache mit meiner Therapeutin.
Was ich selbst versucht habe
Zusätzlich zu den ärztlichen Verordnungen habe ich selbst versucht, meinen Beitrag zu leisten, um möglichst schnell zu heilen. Das bedeutet, dass ich auch in schlechten Phasen meine ca. 4 Mal in der Woche ins Fitnessstudio gegangen bin und natürlich weiter ganz normal aktiv war.
Dazu habe ich alle möglichen Mittelchen ausprobiert, die man grob in 4 Kategorien einteilen kann:
Hat bei mir überhaupt nichts bewirkt
- Aconit Schmerzöl
- Arnika-Salbe, billig
- Anika-Salbe, teuer
- Beinwell Salbe
- Curcumin (Pillen)
- Glucosamin (Pillen)
- Chondroitin (Pillen)
- MSM (Pillen)
- Boswellia (Pillen)
- Diclofenac Salbe (zumindest habe ich keine Wirkung gespürt, auch wenn Diclo generell schon wirksam ist)
Was hat bei mir möglicherweise funktioniert
- Warum vielleicht? Weil der Körper sich auch selber heilt und der Wirkeinfluss für mich nicht nachzuweisen war.
- Stoßwellentherapie
- Hyaluron Spritzen
- Physio Therapie
- Beweglichkeit (Qigong)
- Mobilisierung / Kraft im Fitness Studio
Was hat mir definitv geholfen
- Ibuprofen Tabletten: aber nur kurz
- Besser: Naproxen, die wirken länger. Sind super für die Nacht
Was ich noch erprobe
- Collagen Peptide – Knorpelaufbau
- Kreatin (keine direkte Bezug, aber Erhalt der Schultermuskulatur durch mehr Trainingsausdauer)